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Ein sehr guter Text

Der perfekte Aufbau deiner Bachelorarbeit

Eine Bachelorarbeit steht und fällt mit ihrem Aufbau. Erfahre, wie du von einem Thema zu einer Fragestellung und einem roten Faden gelangst.

Eine Bachelorarbeit steht und fällt mit ihrem Aufbau. Aber wie entwickelt man aus einem Thema eine Struktur, die 40, 60 oder 80 Seiten Abschlussarbeit tragen kann? Und wie entsteht der sagenumwobene rote Faden? Diese Anleitung soll dir diese Fragen beantworten.

1. Das Thema:

Am Anfang deiner Bachelorarbeit steht das Thema. Das Thema ist noch keine ausformulierte Forschungsfrage und umfasst auch nicht die zugrundeliegende Problemlage. Vielmehr ist es eine grobe Eingrenzung des Bereichs, der dich in deiner Abschlussarbeit beschäftigen wird. Als BWL-Student kannst du bpsw. das Thema Mitarbeiterführung wählen, idealerweise, weil dich das immer schon interessiert hat. Als Philosophie-Student entscheidest du dich vielleicht für Tierethik und die Frage, ob man Tiere essen sollte. Deine Freundin ist nämlich gerade Veganerin geworden und hält sich nun für moralisch überlegen. Das ist jeweils der grobe erste Schritt.

Anschließend solltest du damit beginnen, dich in das Thema einzulesen: Du leihst in der Bibliothek ein paar Klassiker aus oder suchst im Internet nach entsprechenden Quellen. Das sind meist Bücher, die bereits in der 12. Auflage erschienen sind oder schon in deinen Vorlesungen erwähnt wurden. Also etwa ein Sammelband aus dem Reclam-Verlag zum Thema Tierethik (gelb, kleine Schrift, guter Überblick) oder das „Handbuch Mitarbeiterführung“ des Springer-Verlags. Anhand dieser eingehenderen Beschäftigung mit dem gewählten Thema sollte es dir gelingen, das Thema weiter einzugrenzen. Vielleich interessiert dich insbesondere die Mitarbeiterführung unter dem Aspekt der Diversity. Oder Peter Singer hat es dir angetan, weil wegen ihm sogar du ins Grübeln kommst, ob das Fleisch auf deinem Teller moralisch vertretbar ist.

Jetzt weißt du also, dass du über Peter Singers Tierethik schreiben möchtest. Oder über Diversity in KMUs in Bezug auf Mitarbeiterführung. Das ist das Thema deiner Bachelorarbeit. Aber das ist noch keine Frage – geschweige denn eine Problematik. Und damit noch kein Aufbau.

2. Die Problemlage

In den Einleitungen von Bachelorarbeiten lese ich sehr oft Sätze dieser Art:

Ich möchte über den Aspekt der Diversity in KMUs schreiben, da mich die Frage nach dem Umgang von Führungskräften mit Diversity sehr interessiert.

Ich lösche diese Sätze dann immer. Weshalb?

Eine Bachelorarbeit ist eine wissenschaftliche Arbeit. Die beiden wichtigsten Merkmale einer wissenschaftlichen Arbeit sind ihre Objektivität und ihr Erkenntnisinteresse. Wer aber einen Satz wie den obigen in seine Einleitung schreibt, verkündet schamlos: Ich will weder etwas herausfinden, noch ist mir klar, weshalb meine Arbeit für irgendwen relevant sein soll. Aber es interessiert mich halt.

Sei nicht so egoistisch. Sei eine Wissenschaftlerin.

Der Weg dahin führt über die Problemlage. Warum ist das von dir gewählte Thema für die Menschheit relevant? Lässt sich damit ein Problem lösen? Licht ins Dunkel bringen? Eine dringende Frage beantworten?

Im gewählten Beispiel könnte das wie folgt aussehen (sehr kurz gefasst):

Diversity wird in einer globalisierten Welt ein immer wichtigerer Faktor für Unternehmen und damit auch für deren Führungskräfte. Insbesondere KMUs stehen vor der Herausforderung, die durch eine diverse Belegschaft vorhandenen Potentiale zu bündeln und als Ressource zu erschließen. Deshalb behandelt die vorliegende Arbeit die Mitarbeiterführung in KMUs unter dem Aspekt der Diversity.

Zwei Sätze Problemlage (erster Satz: Diversity ist wichtig! – zweiter Satz: vor allem in KMUs!), ein Satz Thema. Und nicht ein einziges Mal taucht das böse Wörtchen „Ich“ auf. Durch die Erläuterung der Problemlage wird deine Themenwahl motiviert. Denn die Problemlage stellt ein Bedürfnis dar: KMUs sollten den Aspekt der Diversity berücksichtigen. Wie machen sie das am besten? Vielleicht sollte man eine Bachelorarbeit darüber schreiben.

Mit der Problemlage verkaufst du also der Welt dein Thema. Du zeigst ein Bedürfnis auf und lieferst die Lösung (deine Arbeit). Der persönlich motivierte Satz zuvor hat hingegen kein Bedürnifs aufgezeigt und deshalb auch keine Lösung – höchstens privater Natur.

Die hohe Kunst ist es nun, dass Thema verschwinden zu lassen. Also den Satz, der das Thema nennt. Denn eigentlich behandelt deine Bachelorarbeit ja eine Forschungsfrage. Wir erinnern uns: Das Thema bezeichnet nur das grobe Feld deiner Untersuchung.

3. Die Forschungsfrage

Die Forschungsfrage ergibt sich aus der Themenwahl, der weiteren Eingrenzung und der dabei aufgedeckten Problemlage. Sie muss in der Einleitung gestellt, im Hauptteil untersucht und im Fazit beantwortet werden. Ohne explizite Forschungsfrage verfügen deshalb die meisten Abschlussarbeiten auch nicht über einen gelungenen Aufbau. Umgekehrt ergibt sich aus einer klaren Forschungsfrage fast automatisch der rote Faden.

Forschungsfragen können eher breit gefasst sein („Wie sollten KMU den Aspekt der Diversity in ihre Mitarbeiterführung integrieren?“) oder sehr spezifisch werden („Überzeugt Peter Singers Argument für ein Lebensrecht für Primaten?“). Je breiter gefasst die Forschungsfrage deiner Bachelorarbeit ist, desto mehr geschriebene Seiten wird sie in der Regel auch produzieren. Die Forschungsfrage rundet die zentralen Sätze deiner Einleitung ab:

Diversity wird in einer globalisierten Welt ein immer wichtigerer Faktor für Unternehmen und damit auch für deren Führungskräfte. Insbesondere KMUs stehen vor der Herausforderung, die durch eine diverse Belegschaft vorhandenen Potentiale zu bündeln und als Ressource zu erschließen. Die vorliegende Arbeit will daher die Frage beantworten, wie es KMUs am besten gelingt, Diversity in ihre Mitarbeiterführung zu integrieren.

Der fett markierte Satz formuliert die Forschungsfrage und ersetzt dabei die bloße Nennung des Themas – das Thema gesondert zu nennen wird also durch die Forschungsfrage überflüssig. Umgekehrt gilt daher: Wenn du das Gefühl hast, dein Thema explizit benennen zu müssen, ist deine Forschungsfrage nicht konkret genug oder nicht ausreichend motiviert.

Die Einleitung endet mit einem kurzen Abriss des Verlaufs deiner Arbeit:

„Zu diesem Zweck wird in Kapitel 2….. Kapitel 3 stellt die Methode vor, bevor in Kapitel 4….. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.“

4. Der rote Faden

Wie von Zauberhand ergibt sich nun auch ein roter Faden: Nachdem du in der Einleitung zum Thema hingeführt, eine Problemlage beschrieben und eine Forschungsfrage aufgestellt hast, musst du im Hauptteil alles daran setzen, diese Frage zu beantworten.

Dafür müssen die Begriffe eindeutig definiert sein: Was ist unter „Diversity“ zu verstehen? Was ist mit „Mitarbeiterführung“ gemeint? Mit dieser Klärung der Begriffe beginnt der Hauptteil.

Erst danach kannst du dich mit der eigentlichen Beantwortung deiner Frage befassen. Zunächst gilt es, dir über die Methodik klar zu werden. Wirst du deine Antwort in der Literatur finden? Musst du empirisch arbeiten und Interviews durchführen? Wähle die Methodik, die dir am geeignetsten erscheint, um deine Forschungsfrage zu beantworten. Erst wenn du das getan hast, haust du wieder in die Tasten: Stelle deine Methodik vor, erläutere sie und motiviere sie.

Anschließend wirst du das tun, was deine Methodik von dir verlangt: Fragebögen vorstellen, auswerten und interpretieren oder die Klassiker der „Diversity“-Literatur auf Antworten zu deiner Forschungsfrage abklopfen und gegenteilige Meinungen einander gegenüberstellen und kritisch hinterfragen.

Im Idealfall folgt aus dieser Umsetzung deiner Methodik eine Antwort, die dich zum Schlussteil deiner Arbeit führt:

„Die Auswertung der Literatur hat ergeben, dass Führungskräfte in KMUs in Bezug auf Diversity eher zurückhaltend vorgehen sollten, da Mitarbeiter sich oftmals bevormundet fühlen und fürchten, auf ihre Herkunft reduziert zu werden, wenn Diversity seitens der Abteilungsleiter überbetont wird. Christensen (2014) hat dahingehend festgestellt, dass… Insgesamt ist daher festzustellen, dass Diversity in KMU’s….“

5. Fazit

Der Aufbau deiner Bachelorarbeit steht und fällt also mit deiner Fähigkeit, eine explizite Forschungsfrage zu formulieren. Der Weg dahin führt über eine intensive initiale Auseinandersetzung mit deinem Thema, die es dir erlaubt, Leerstellen und Probleme innerhalb dieses Themas zu erkennen. Singers Argument ist fast 50 Jahre alt, ist es überhaupt noch aktuell? KMUs sind besonders auf ihre Belegschaft angewiesen, gleichzeitig werden diese immer diverser. Ist das ein Problem? Diese Problemlagen motivieren deine Forschungsfrage. Mit der Forschungsfrage beginnt dann deine kreative Eigenleistung: Wie kann ich diese Frage beantworten?

Über die gewählte Methodik und deren Umsetzung gelangst du im Idealfall zu einer Antwort. Diese gibst du im Schlussteil deiner Arbeit. Das ist der ganze Trick: Frage stellen, alles tun um sie zu beantworten, Frage beantworten. Viel Erfolg!

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